Aus der Zeitung

Sie wollen sich ein Bild von Lunas Löckchen machen? Damit Sie nicht lange suchen müssen, können Sie sich hier die letzten Zeitungsartikel in Ruhe durchlesen. Viel Spaß!

Aus der Ostseezeitung vom 2. Februar 2021

Hundefriseure in MV haben auch im Corona-Lockdown auf 


Alle Friseure haben im Corona-Lockdown zu? Nein, nicht alle: Hunde dürfen in Mecklenburg-Vorpommern auch weiterhin auf Vordermann gebracht werden. Dafür gelten jedoch strenge Auflagen 

„Der Pony ist wieder viel zu lang und auf der Nase wächst schon ein kleiner Schnurrbart“, sagt Christina Steinwender. Die Rede ist nicht etwa von ihr, sondern von Hundedame Tammy, die fröhlich hin und her läuft.

Dazu hat der Chihuahua-Shihtzu-Terrier-Mischling auch allen Grund, denn während Frauchen für das obligatorische Waschen, Schneiden, Föhnen ihres Haupthaars zurzeit selbst zu Bürste und Styling-Creme greifen muss, bekommt die Hündin im Rostocker Hundesalon „Lunas Löckchen“ zwar keine Wickler eingedreht, dafür aber eine schicke neue Kurzhaarfrisur. Denn: In MV dürfen Vierbeiner auch im Lockdown in den Hundesalon. Dafür gelten jedoch strenge Auflagen. Eine davon: Herrchen und Frauchen müssen draußen bleiben.
 

„Diesmal bitte etwas länger als beim letzten Mal, weil es draußen so kalt ist“, sagt Christina Steinwender und deutet auf ihre knapp zweijährige Hündin im stylishen grauen Strickpullover, deren lila Leine farblich auf Schal und Tasche der Besitzerin abgestimmt ist. Dass ihr Tier gepflegt ist, ist der Rostockerin wichtig. Trotzdem geht es ihr nicht nur um die Ästhetik: „Der Schnitt ist wichtig, damit das Fell nicht verfilzt“, weiß die Hundebesitzerin. Auch das Gesicht müsse wieder freigeschnitten werden. „Wenn ich das selbst machen würde, hätte ich Angst, dass ich Tammy versehentlich ins Auge pieke“, sagt sie und lacht.

Auch eine Pediküre steht heute für die kleine Hundedame an. Was klingt wie ein Schönheitsritual, dient in erster Linie der Hundegesundheit und erfordert professionelle Unterstützung: „Wenn man sich nicht auskennt, kann man das Tier beim Krallenschneiden leicht verletzen“, erklärt Hundefriseurin Alexandra Herré, die seit November vergangenen Jahres den Salon mit dem klangvollen Namen in der Hansestadt betreibt. 

Beratungsgespräch unter freiem Himmel

Wegen der geltenden Hygienevorgaben empfängt sie ihre Kunden nun nicht im, sondern vor ihrem Laden: Dass das Beratungsgespräch unter freiem Himmel stattfindet, ist auch für Herré eine ungewöhnliche Situation. „Wir dürfen niemanden in den Salon lassen, daher müssen die Tiere draußen abgegeben werden“, sagt die 30-Jährige. Bezahlt werde ebenfalls draußen, möglichst kontaktlos. Vorgeschrieben seien zudem Abstand und Maskenpflicht beim Bringen und Abholen der Tiere. Eineinhalb Stunden muss sich Christina Steinwender nun die Zeit vertreiben, obwohl sie lieber bei ihrem Vierbeiner im warmen Behandlungszimmer sitzen würde. „Essen gehen ist ja jetzt auch nicht“, witzelt sie, steigt in ihr Auto und düst los, während Herré hinter dem Fenster zum Parkplatz die Schermaschine ansetzt.

 „Wir sind froh, dass wir überhaupt unter diesen Bedingungen aufmachen dürfen“, sagt Hundefriseurin Katrin Rohde, Inhaberin des Hundesalons „Pfötchenfee“ in Gehlsdorf. Das sei nicht in allen Bundesländern der Fall. Dabei sei es im Sinne des Tierschutzes dringend nötig, dass die Vierbeiner professionelle Pflege erhielten: „Wenn das Fell verfilzt, kann es beim Hund zu großen Problemen kommen, das geht teilweise sogar bis zum Reißen der Haut“, weiß die Expertin. Auch das Entfernen der Ohrhaare sei nötig, um Ohrentzündungen zu vermeiden. „Die Kunden brauchen uns, viele ältere Menschen können das gar nicht leisten.“ 

Trotzdem möchte die Hundefriseurin auch sich selbst schützen: „Unser Hygienekonzept sieht vor, dass wir die Hunde zuerst waschen, um das Risiko zu minimieren“, sagt die Rohde. Auch die Daten der Kunden werden festgehalten, um Infektionsketten nachzuvollziehen. Hundebesitzer, die Krankheitssymptome aufweisen, weist die Hundefriseurin ab. Dass Frauchen oder Herrchen nicht mitkommen dürften, sei gerade bei schwierigen Hunden ein Problem, die die „Pfötchenfee“ nicht allein „bändigen“ könne, aber auch bei der Welpeneingewöhnung. „Die machen wir zurzeit gar nicht, weil es für den Hund allein zu stressig ist“, sagt sie.

Auch Christina Steinwender ist froh, dass sie Tammy trotz Pandemie zu Alexandra Herré bringen kann: „Wenn ich schon nicht zum Friseur darf, dann wenigsten mein Hund“, sagt sie und lacht.

(Artikel aus der OZ vom 2. Februar 2021; Autorin Stefanie Büssing)